Innensicht-Tour: Menschen, Unternehmen und Projekte in Wustermark

ice, heiß, Wustermark - lebendiger Ort mit Potenzial und Wachstumsschmerzen

Am Mittwoch verbrachte ich den Tag mit Genoss:innnen des OV Wustermark, darunter Steven Werner und Constanze Neumann, mit vielfältigem Programm.

 

Zuerst ging es zum Gespräch in die Sozialstation Wustermark, wo ich mit der Geschäftsführerin Nicole Krüger, der Pflegedienstleiterin Martina Bringmann und der Leiterin der Demenzpflege Jana Blaese über die aktuellen Herausforderungen der Pflege verbunden mit den Umständen in Wustermark-Elstal. In einem innovativen Wohnkonzept werden zahlreiche Senior:innen in drei Wohngemeinschaften, Servicewohnungen und mehreren Tagespflegeeinrichtungen betreut. Zusätzlich gehört zum Angebot der Sozialstation ein ambulantes Pflegeteam. Dabei kristallisierten sich jene Probleme heraus, die ich auch an anderen Stellen im WK 58 schon hörte: eklatanter Personalmangel, mangelnde Integration der Zugezogenen in den sozialen Alltag und die Nachbarschaft, zunehmender Mangel an nutzbarem Wohnraum und schließlich die knapp kalkulierten Abrechnungen mit den Pflegekassen. Besonders sei allerdings, so die Leiterin Nicole Krüger der Mangel an Bereitschaft zum Ehrenamt. Das sei sehr bedauerlich, denn dadurch fällt es noch schwerer den Senior:innen und zu Pflegenden abwechslungsreiche Freizeitgestaltung in Form von Kochabenden und ähnlichem anzubieten. Mit Bravur gelingt dem Gemeinschaftswerk in Wustermark allerdings die Anwerbung und Ausbildung von jungen Menschen zu Pflegekräften. Sie stechen als Arbeitgebende durch überdurchschnittliches Gehalt und Kulanz bei Kinderbetreuung hervor. Im Anschluss an das Gespräch besichtigte ich gemeinsam mit Steven Werner eine der WG’s und lernte die Bewohner*innen kennen, während andere Mitglieder meines Teams die Gäste der Tagespflege besuchten und dort auf eine Runde Mikado blieben.

 

Im Anschluss ging es für zwei Infostände zunächst zum Rewe in Wustermark und danach zum Netto in Elstal. Durch das Verschenken von Blumen kam ich dort mit vielen Bürger:innen ins Gespräch und erfuhr, was die Anwohner:innen bewegt.

 

Nach einer kurzen Mittagspause empfing uns die Leiterin der Initiative Eisenbahn-Café in Elstal, Sabine Gnep. Dort engagieren sich die Mitglieder der baptistischen Gemeinde Elstal gemeinsam mit Freiwilligen, indem sie einen alten Zugwaggon in unzähligen Stunden ehrenamtlicher Arbeit in ein Café umbauen. Der Plan ist, dort mittelfristig einen Begegnungsort für die Bürger:innen zu schaffen, indem man günstig im Waggon selbst oder auf der geplanten Terrasse davor eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen genießen kann, die Nachbarschaft sich vernetzt und ein Begegnungsort für alle entsteht. Aktuell finanziert sich das Projekt aus Spenden und Fördermitteln, aber auch die Kirchengemeinde und die Kommune haben sich an den Kosten für den Waggon und das Umsetzen auf den Standort beteiligt. Sabine Gnep betonte, dass man sich über jede Form von Engagement, insbesondere tatkräftige Unterstützung freue: „Durch das große Engagement vieler Ehrenamtlicher wird unsere Gesellschaft ein lebendiger Ort.“ Je mehr Menschen sich engagieren, desto besser. Ein besonderes Projekt, ein idealistisches, ein großes Projekt für die 25-Mitgliederstarke Gemeinde – eines das gesellschaftliche Integration und Zusammenhalt nachhaltig fördert.

 

Nach dem Besuch beim Eisenbahn Café stand ein Unternehmensbesuch bei der HavelPort Berlin GmbH in Wustermark auf dem Programm. Schiffscontainer türmen sich auf dem Areal direkt an der Havel nahe des Dreieck Wustermark. Lange lag das Areal brach. Erst 2014 konnte mit einem neuen Eigentümer mit Unterstützung der Gemeinde ein neues Initial gesetzt werden. Geschäftsführer Klaus Pietrack berichtete, dass das Areal seit 2018 um die Hälfte erweitert werden konnte. Neuestes Geschäftsfeld ist die Säuberung von Holzschnitzeln von eingewachsenen Metallstücken, bevor sie in die Verbrennung gehen. Die 45.000 qm Lagerfläche sind voll ausgelastet. Die HavelPort gehört zu den glücklichen Betrieben, die durch die Pandemie nicht beeinträchtigt waren, sondern im Gegenteil sogar gewachsen sind. Gemeinsam mit dem angrenzenden Unternehmen Colossus sind am Standort insgesamt 60 Mitarbeitende beschäftigt – von Bürokräften bis zu Schwerlasttransportfahrer:innen. Letztere werden vor Ort auch ausgebildet, wobei der Geschäftsführer betonte, dass auch die HavelPort Schwierigkeiten habe geeignete Auszubildende zu finden. Deswegen würde man perspektivisch auf Prozessdigitalisierung setzen, so Pietrack. Das Kerngeschäft des verbundenen Unternehmens Colossus sind Speziallösungen für Transport und Lagerung von Großlasten, wie z.B. Rohlingen von Eisenbahnwaggons bevor sie z.B. im Hennigsdorfer Alstom-Werk montiert und ausgestattet werden. Es waren sehr spannende Einblick in ein mir bisher unbekanntes Geschäftsfeld, insbesondere in Bezug auf Bedürfnisse und Hindernisse des Ausbaus der Wasser- und Landstraßeninfrastruktur der Region. Ohne Kanalausbau und die Modernisierung der Schleusen ist die Brandenburgische Binnenschifferei mittelfristig nicht konkurrenzfähig, muss schon jetzt auf  Nischenprodukte fokussieren, da die aktuell marktfähigen Schiffgrößen ab 85 Metern mangels Gewässertiefe und Schleusenlänge gar nicht abgefertigt werden können.

 

Bevor es für mich zum letzten Termin des Tages zum Jahresempfang der IHK Potsdam ging, nahm sich der Geschäftsführer der Karls Erlebnisdörfer Robert Dahl Zeit für eine persönliche Führung durch das Karls Erlebnisdorf in Elstal. Dabei erzählte er die Geschichte seines Unternehmens, welches 1921 von seinem Großvater Karl begründet wurde, seiner Vision für die Unternehmensvergrößerung und seine Pläne den Standort Elstal nachhaltig und der Region zuträglich auszubauen. Ein Ferien-Resort für Familien soll auf dem ehemaligen Militärareal entstehen. Derzeit steht die Bergung von Altlasten, insbesondere Munition im Vordergrund der Entwicklung, aber auch das Planen der nachhaltigen Energie- und Wärmeversorgung ist ein Schwerpunkt. Hauptanziehungspunkt des neuen Ferien-Resorts soll eine Erdbeerpromenade werden, die das Resort mit dem bestehenden Erlebnis-Dorf verbindet. Entlang der Promenade sind ein Varieté-Theater, eine Badescheune mit mehreren Rutschen, gastronomische Angebote und weitere Attraktionen geplant, die Gäste für eine Zeit den Alltag vergessen lassen sollen. Robert Dahl ist ein Visionär, mutig, lebendig, mit Begeisterung für jedes Detail seines Projektes. Sein Motto dabei? Mit den Menschen, für die Menschen! Ja! Das teilen wir…  

 

Ich bedanke mich bei allen Beteiligten für den freundlichen Empfang und die spannenden Einblicke!

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