Verbrauch, Verzicht und Verbot

anstelle einer „Klima-Diktatur“ aus Verzichtsregeln soll aus
der technologischen Klimawende ein Jobmotor werden –
Arbeit mit Zukunft!
© Pixabay / Andrew Martin

Verbrauch, Verzicht, Verbot?

Die Debatte um den notwendigen Stopp der Klimaveränderung ist geprägt durch Verbot und Verteuerung – das ist die Strategie der konservativen politischen Kräfte inklusive der Grünen. Diese Strategien kosten Arbeitsplätze und verteuern Produktionsprozesse in einem hohen Maß. Am Ende geht die Schere zwischen arm und reich weiter auseinander und nur noch Besserverdiener können sich ein angenehmes oder zumindest ausgewogenes Leben leisten…

 

NEIN, sagt dazu die SPD. Es gibt nur einen Weg in die Zukunft: ein großes, ein ambitioniertes Investitionsprogramm in zukunftsweisende Technologien, das von der Bundesregierung und der Wirtschaft gemeinsam getragen wird. Durch umfassende Investitionen in den nachhaltigen Energiesektor, die Speicherung und Transport sowie die schnelle Umstellung der Produktionsprozesse auf nachwachsende Rohstoffe, regenerativen Strom und weitere Technologien entsteht ein Konjunktur- und ein Jobmotor. Qualifizierte, gut bezahlte Arbeit für Menschen, die bereit sind sich weiter zu entwickeln in den Sektoren Bau, Technologie und in einer starken deutschen Wirtschaft, die in der Technologieentwicklung wieder eine führende Rolle in der Welt einnehmen wird.

 

Dennoch ist auch jeder Einzelne durch sein Verbraucherverhalten gefragt und kann einen wertvollen Beitrag leisten. Wie gelingt es, den Verbrauch natürlicher Ressourcen, die Produktion von CO2 und unglaubliche Mengen von Müll drastisch zu reduzieren? Kann es ohne Verbot, ohne Verzicht und ohne Verbrauchssteuern gelingen? Denn die treffen nur den Endverbraucher, obwohl niemand darum gebeten hat, dass die Gurke in Plastik einschweißt wird…

 

Ein paar Fakten über Verbrauch und Gedanken zum Umsteuern.

Unser Ressourcenverbrauch

Die Deutschen liegen mit 8,4 Tonnen CO2-Verbrauch pro Kopf auf Rang 10 im weltweiten Vergleich; ein Großteil davon wird für Wärmeerzeugung benötigt. Im Jahr 2019 produzierten wir pro Kopf 457 Kilogramm Haushaltsabfall. Das sind aber nur 14 % des jährlichen Gesamtabfallaufkommens von bis zu 250 Mio. Tonnen Abfall in Deutschland. Im Jahr 2018 haben wir 227,5 Kilo Verpackungsmüll pro Kopf in Deutschland erzeugt, ein Kilo mehr als im Vorjahr. Immerhin 47 % davon fielen im privaten Konsumbereich an, 20,6 % mehr als im Jahr 2010. Noch gibt es keine Zahlen, aber Experten rechnen mit einem deutlichen Anstieg aufgrund des vermehrten „to go“-Konsums in der Pandemie. Auch die Menge an Kartonagen dürfte erheblich gestiegen sein. Nahrungsmittel, Getränke und Heimtierfutter führten im Jahr 2017 den Verpackungsverbrauch privater Endverbraucher mit 62,3 % an.

 

Trotz einer hohen Recyclingquote von fast 70 % in Deutschland hat Kunststoff nur einen Recyclinganteil von 47 %, seit 2019 vorgeschrieben 58,5 % und bis 2022 steigend auf 63 %. Spannend ist, dass nach Studien der Mineralölgesellschaft Aral etwa die Hälfte des gesamten Erdölbedarfs in Deutschland vom Verkehr verbraucht wird. Der Gesamterdölverbrauch wird 106 Mio. Tonnen beziffert, davon verbrauchen Straßenfahrzeuge angetrieben durch Kraftstoffe auf Erdölbasis 71 Millionen Liter. Seit Jahren stagniert der Anteil der erneuerbaren Energien. Wie also kann Klimawandel gelingen?

Quelle: Der Primärverbrauch | Wissenswertes | Home Aral Forschung

 

Fragen der nachwachsenden Generationen

Die Formel „unsere Kinder sollen es einmal besser haben“ muss heute wahrscheinlich eher in die Formel „unsere Kinder sollen es zumindest nicht schlechter haben“ umgemünzt werden. Unseren Lebensstandard zu halten, ohne unsere natürliche Lebensgrundlage zu zerstören, dürfte der Quadratur des Kreises gleichkommen.

 

Unsere Kinder sind sehr selbstverständlich in einer Welt aufgewachsen, in der sie wahrscheinlich nur sehr wenig Mangel erlebt haben. Ein Smartphone der neuen Generation, preisgünstige Markenklamotten, von den Eltern zum Hobby gefahren werden, Fernreisen… dürften für viele eine Selbstverständlichkeit sein.

 

Und dennoch stellen sie die berechtigte Frage nach Veränderung:

Wann hört ihr auf, die Erde zu verbrauchen und unserer Generation Müll, Schulden und eine fragil gewordene Demokratie zu hinterlassen? Seid ihr bereit zu verzichten und die Welt aus der Perspektive von morgen zu gestalten? Wie sollen wir einen Beruf, ein Leben, eine Karriere planen, wenn die Perspektiven von unplanbaren Umbrüchen gekennzeichnet sein werden? Wie können wir Arbeit gerecht und auskömmlich verteilen? Wie sollen wir eine Familie gründen, wenn wir uns nicht einmal wohnen leisten können? Warum ist die Ausbildung in einem handwerklichen oder medizinischen Lehrberuf so schlecht bezahlt oder kostet sogar – und hat so wenig Anerkennung im Vergleich zu einem Studium, obwohl man mit einem Kugelschreiber keine Wasserleitung reparieren oder geschweige denn herstellen kann? Wann habt ihr den Sinn verloren – Leben ist so viel mehr als Arbeiten?!

 

Folgerung

Die Klimaveränderung ist unumkehrbar geworden, wir können sie nur noch verlangsamen. Das kann uns in Deutschland nicht für die ganze Welt gelingen, schon gar nicht auf der Ebene des Verbrauchers allein. Auf allen Ebenen der Gesellschaft braucht es Umdenken und Umsteuern. Es braucht eine globale Anstrengung. Das zu verhandeln und durchzusetzen ist die Aufgabe der Bundesregierung.

Der Kern des Problems liegt aber in unserer Denke der Unerschöpflichkeit. Immer mehr von allem in immer kürzeren Lebenszyklen. Unsere Wirtschaftssystem ist auf fortschreitendes Wachstum ausgelegt. Aber wohin? Wenn alle von allem mehr als genug haben und regelmäßig wegwerfen, um Neues zu erhalten – dann sind wir in eine weltweite Endlosspirale geraten an deren Ende irgendwo auf der Welt Armut, Verödung, Hungersnot, Krieg um Ressourcen steht. Am Ende kommt das Problem durch Flucht der Menschen dorthin wo Milch und Honig fließen zu uns zurück.

Brauchen wir T-Shirts für 3 Euro, die wir nach 5x tragen wegwerfen, die von Kindern genäht und von ihren Eltern ohne Schutz vor Dämpfen gefärbt wurden? Müssen wir jedes Jahr die neueste Kollektion tragen, den noch größeren Fernseher, das noch größere Auto haben? Sind mehrere Fernreisen im Jahr die Antwort auf zu viel Stress im Alltag? Ist es richtig, dass Lebensmittel um die Welt gefahren werden und der Bauer aufgrund der Marktmacht des Handels nirgendwo vernünftig wirtschaften und sich nachhaltige Produktionsmethoden nicht leisten kann während die Eigentümer des Lebensmitteldiscounter zu den reichsten Menschen des Landes zählen?

Was ist das wirkliche Bedürfnis, das wir damit zu stillen versuchen? Es sind die Bedürfnisse nach Sinn, Gemeinschaft, Anerkennung und Sicherheit. Das lässt sich nicht kaufen.

Nutzen wir unsere Macht als Verbraucher. Verweigern wir den Einkauf von Sinnlosem. Lassen wir alles Plastik im Markt. Kochen wir regional und saisonal. Fahren wir mehr Rad oder Bahn, usw. wissen wir alle…

Und wenn ich mir das nicht leisten kann? Dann machen wir uns zusammen stark für eine bezahlbare, für eine leistbar und dennoch effektive Veränderung unserer Lebensweise! Diese muss nicht weniger angenehm, aber deutlich weniger achtlos sein!

das könnte dich auch interessieren...

Nachhaltigkeit

von hier für uns

die Krise zwingt zum Umdenken: Produktion wird regionaler und schafft lokale Arbeitsplätze.

Nachhaltigkeit

das Rad drehen

die Notwendigkeit der Verkehrswende stellt niemand mehr in Frage. Aber bitte machbar für die Menschen!

Nachhaltigkeit

nach Corona

Innovation, mehr Nachhaltigkeit und neue Werte werden die Wirtschaft tiefgreifend verändern.